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Silke Mentchen

Urlaub 2020

Der Mensch braucht von Zeit zu Zeit Ferien [1]. Er braucht die Abwechslung [2], um neue Kraft und Energie für die Arbeit zu finden. Urlaub machen - das hat schon immer bedeutet, dem Alltag [3] adieu zu sagen und nach dem Fernen, Fremden und Neuen [4] zu suchen. Wie werden wir im 21. Jahrhundert Ferien machen? Freizeitforscher sagen voraus, dass im 21. Jahrhundert jeder Deutsche doppelt so lange auf Reisen gehen wird wie seine Eltern, von seinen Großeltern ganz zu schweigen [5] Die Tourismusbranche reagiert mit einem Angebot der Superlative.

Ein weißer Sandstrand am kristallklaren Meer [6] , mit Segelbooten am Horizont, wo die Palmen rauschen und die bunten Vögel singen - das ist das ideale Ferienparadies, von dem die meisten Menschen das ganze Jahr träumen. Spätestens in 20 Jahren wird es solche Ferienoasen sogar mitten in Deutschland geben. Unter riesigen Hallendächern werden Wasser, Sand und Wärme für Urlaubsstimmung sorgen - und abends fährt man aus dem Paradies wieder nach Hause.

Sicher, diese Welt aus Stein, Glas, Elektronik und Dekoration ist künstlich [7] - auch eine perfekte Kopie bleibt eine Kopie. Doch das dürfte [8] den Urlauber von morgen kaum stören [9]. Wenn er den tropischen Traum gleich um die Ecke haben kann, dann muss er nicht die anstrengende An- und Abreise in ein exotisches Fernziel auf sich nehmen. Auch spart er Reisekosten, lange Wartezeiten auf überfüllten Flughäfen - und so manches andere Problem, das eine Reise in ferne Länder normalerweise mit sich bringt. So gibt es unter dem Hallendach garantiert keine Giftschlangen und Skorpione, und wenn man im künstlichen Korallenriff schwimmt, dann muss man nicht [10] vor Haien [11] Angst haben. Kurz gesagt: Dieses Ferienparadies bietet alles (oder fast alles), was man auch am Originalort finden würde, aber die Gefahr bleibt draußen.

Noch eine Urlaubsvision für das Jahr 2020: Der Hotelier Günther Aloys will über die Alpen bei Innsbruck ein Dach errichten und eine riesige Indoor-Skianlage bauen, die das ganze Jahr nutzbar ist. Neben Ski-Pisten soll es auch Schlittenbahnen und eine Eiskunstbahn geben. Aloys' Motto: „Der Berg ist das Spielzeug der Zukunft”. Wie die riesigen Kosten für ein solches Projekt gedeckt werden sollen und ob sich der Schnee in solch einem künstlichen Klima erhalten [12] lässt - das sind Fragen, die einen Zukunftsträumer wie Aloys nicht stören: Er vertraut auf die unendlichen Möglichkeiten einer sich immer schneller entwickelnden Technologie.

Manche Tourismusexperten behaupten sogar, dass die ewige Suche nach Neuem die Reisenden von morgen bis weit hinaus ins All [13] führen wird. Die ersten Pläne für solche Abenteuer gibt es bereits. So hat die japanische Großbaufirma Shimizu den Plan, ein Weltraumhotel in 5000 Kilometern Höhe zu stationieren und ein weiteres Hotel auf dem Mond zu bauen. Für die Hin- und Rückreise sollen komfortable Raumschiffe verwendet werden, die Platz für 100 Passagiere haben und in denen man ohne Astronautentraining mitfliegen kann.

Schon heute ist das Interesse am Weltraumurlaub riesig. 50 Prozent der Japaner und 30 Prozent der Amerikaner gaben bei einer Umfrage [14] an, dass sie drei Monatsgehälter ausgeben würden, wenn sie ins All fliegen könnten. Doch das wird wahrscheinlich - zumindest am Beginn des Weltraumtourismus - nicht reichen. Nach heutigen Kalkulationen wird das Ticket ins All (inkl. Hotelaufenthalt) etwa 72 000 Dollar kosten. Frühester Starttermin: 2020.