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Annemarie Künzl-Snodgrass

NOTE: The following text is one of three texts offered for translation in Paper GeB2 2003. Only two texts out of the three have to be translated in the exam.

Translate the following passage into ENGLISH:

Das 19. und das 20. Jahrhundert haben uns gelehrt, uns das Böse glattrasiert [1] vorzustellen, denn das Böse war eine Abart [2] des Fortschritts, ein Potenzial der Aufklärung. Der drastisch zurückgeschnittene und entschlossenem Formwillen unterworfene [3] Bartwuchs gehört zur Physiognomie des Totalitarismus, den manche kritischen Theoretiker auch in der 'formalen' westlichen Demokratie erkennen wollen. Der 11. September hat diese Vorstellungswelt gründlich erschüttert.

Bisher galt: Wo Bärte wallen [4], geht's gemütlich zu. Die rauschebärtigen [5] Gelehrten Marx und Engels waren noch keine Menchenschlächter wie der spitzbärtige [6] Lenin und der schnurrbärtige [7] Stalin. Wilhelm I. auf dem Kaiserthron des neuen Deutschen Reiches war mit seinem weit wuchernden [8] Backenbart [9] stockkonservativ, aber eben doch auch preußisch-zurückhaltend, was nationale Weltmachtambitionen anging [10]. Ganz im Gegensatz zu seinem bis auf den getrimmten Schnurrbart nacktgesichtigen Enkel Wilhelm II. Und jener Führer, der den Bartwuchs schließlich bis auf einen Fliegenschiss [11] unter der Nase reduziert hatte, stürzte Deutschland in den Abgrund.

Zwanzig Jahre später trug der Protest [12] gegen alles, was im 20. Jahrhundert bis dahin schief gelaufen war, und gegen alle, die dafür angeblich verantwortlich waren, mit Vorliebe Vollbart [13]. Merkwürdigerweise wurde das für einige Jahre zur Haartracht [14] einer Jugendkultur. Wer glatt rasiert war, hatte das falsche Bewusstsein.

Als in Kabul das Taliban-Regime stürzte, liefen junge Männer zu den Barbieren, um sich die Bärte abnehmen zu lassen. Schere und Rasiermesser wurden zu Freiheitsinsignien. Im Westen sahen manche ehemaligen Bartträger beklommen die Video-Botschaften des bärtigen Osama bin Laden. Bei vielen werden die inneren 'Vorsicht Feindbild!" [15] - Warnlampen wild geblinkt haben. Aber das ändert nichts daran, dass der bärtige Prophet, der da in nuschelndem [16] Singsang seine Mordbotschaften verkündet, kein Feindbild, sondern ein wirklicher Feind ist, der allerdings so aussieht, als hätten ihn die glatt rasierten Feinde von einst als Feindbild erfunden.

from: Die Welt